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Vom Beruf in den Ruhestand -

Wünsche, Aufgaben, Perspektiven

  

Der Abschied aus einem Berufsleben vollzieht sich individuell unterschiedlich, jedoch beginnt er mit dem inneren Erkennen, manchmal schlagartig, manchmal Monate oder gar Jahre vorher, dass ein gravierender Lebensumbruch ansteht. Der Übergang ist nicht getan an einem einzigen Tag, das neue Heimisch werden kann sich lange hinziehen. Denn er besteht aus weit mehr als dem Ausräumen des Schreibtisches und der Klärung von Rentenbezügen. Mit dem Ruhestand beginnen Umbauprozesse in allen Lebensbereichen: 

 

·       Tagesabläufe, Zeiterleben und Routinen

·       soziale Kontakte und Zugehörigkeit zum gewohnten Umfeld

·       Interessen, Aktivitäten und Lebensträume

·       Umgang mit Ehe-/Lebenspartner und Familie (Erwartungen,

        Rollenveränderung, Lebensgestaltung) 

·       Lebenszwischenbilanz, eigene Identität und Position in der Gesellschaft

·       körperliche und seelische Selbstfürsorge, Bedürfnisse und Belastungsgrenzen

·       Einstellung zu sich selbst, zum Leben und zum Altern

 

Drei Phasen müssen durchlaufen werden, um ganz im ‚neuen Leben‘ anzukommen: der Abschied selbst, die Zeit des ‚nicht mehr und noch nicht‘ und das ‚unbekannte Land‘ danach. Weit mehr als äußere Faktoren bestimmt die eigene Haltung, ob diese Zeit als aufregend und positiv erlebt wird oder mit sozialen und organisatorischen Schwierigkeiten behaftet ist, die sich aufs Gemüt und die Gesundheit auswirken. 

 

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Vor dem Unbekannten haben Menschen bekanntermaßen eine gewisse Scheu, eine archaische, existentielle Angst. Wir reagieren schnell mit uns angeborenen Mustern aus Angriff, Flucht oder Totstellen. Diese können sich äußern in Wut oder Groll (gegen andere oder sich selbst), in Vermeidungsverhalten (Fluchtversuche in Verleugnung, Aktionismus oder Suchtmittel) oder innerer Lähmung und Depression (‚Totstellen‘). Diestrifft beim Übergang in den Ruhestand besonders dann zu, wenn der Ausstieg aus dem Beruf plötzlich und unfreiwillig geschieht, also nicht selbst bestimmt wird, keine innere Vorbereitung möglich ist und leider oft auch keine wertschätzende Abschiedsfeier stattfindet. Dann ist erst einmal ein Schock zu verarbeiten, der mit Ratlosigkeit und Enttäuschung einher gehen kann. Selbst wenn der Ruhestand begrüßt wird, zieht vor dem geistigen Auge ein langes Berufsleben vorbei mit allen Höhen und Tiefen, vielleicht auch ungelösten Konflikten und der Trauer des Abschiedes.

 

Beim Loslassen-müssen ist erst ein inneres ‚Nein‘ zu überwinden. Positive wie weniger positive, hilflose, traurige und wütende Aspekte sind miteinander verwoben, alle wollen geachtet und emotional noch einmal durchlebt werden. Was nicht bearbeitet ist, bleibt im Unterbewusstsein als hemmender Widerstand aktiv und nimmt dem Neubeginn einen Teil seiner Kraft.

Für dieWertschätzung einer Person und ihres oft jahrzehntelangen Engagements im Beruf ist eine festliche Abschiedsfeier wichtig, die leider in modernen Zeiten unmodern geworden scheint. Und selbst nach einem gelungenen Abschied bleibt die zweite große Aufgabe, langsam in eine neue Identität und Lebensweise hinein zu wachsen. Gerne wird die langfristige Visionssuche auf das Nachher verschoben, wo sie im Alltag langsam zu versickern droht. Sind Schritt 1 und Schritt 2 emotional nicht vollzogen, kommen Menschen über lange Zeit innerlich nicht dort an, etwas in ihnen ‚wartet weiter‘ – da muss doch noch etwas kommen! Das Denken ist immer wieder vergangenheitsorientiert, besonders wenn ‚unerledigte Geschäfte‘ auf der Seele liegen: was nicht erreicht wurde, was nicht ausgesprochen werden konnte und ungeklärt blieb, was vermisst wird. Der Verlust der vertrauten Kontakte zu Kollegen, der erreichten Position in einer Hierarchie und der damit verbundenen Statussymbole kann in Einsamkeit und Selbstwertverlust münden. Frühere berufstypische Denkweisen und Verhaltensmuster bleiben noch eine Weile aktiv, wie Loriot in seinem Film „Papa ante portas“ karikierte. Aber jeder im Umfeld scheint zu erwarten, dass schlagartig Freude über die jetzt vorhandene Freiheit einsetzt. Dabei wird der neue Zustand ‚seelisch nicht erkannt‘, die Person bleibt im Niemandsland zwischen Beruf und Ruhestand hängen.

 

Ruhestand als wichtige aktive Lebensphase betrifft heute beide Geschlechter, doch gehen Männerund Frauen tendenziell unterschiedlich damit um. Frauen scheinen den Übergang im allgemeinen leichter und kreativer zu verarbeiten. Sie haben häufig bereits während der Berufstätigkeit Hobbies und außerberufliche soziale Netzwerke aufgebaut, gehen auch offener an die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen ‚Lebensdrehbuch‘ heran, besuchen Kurse, lesen Selbsthilfebücher, tauschen sich mit Freundinnen aus und entdecken so schneller neue Inhalte für ihr Leben. Karriere spielte oft für die eigene Identität eine geringere Rolle, Familie und Haushalt sind weiterhin aktive Betätigungsfelder. Bei Männern schnellt dagegen die Krankheits- und Sterblichkeitsrate nach etwa 3 Monaten Ruhestand signifikant (etwa um das Dreifache) in die Höhe. Zu diesem Zeitpunkt sind meist die schon mal angedachten Aktivitäten erledigt (Das Haus entrümpeln und in Schuss bringen, Besuche machen, Urlaubsreise).

 

Nach dieser aktiven Anfangsphase stellt sich langsam und leise ‚Leeregefühl‘ ein. Hier findet ein zweiter Schritt des Aufwachens statt, die Erkenntnis des ‚nie wieder‘ rutscht vom Verstand in das Gefühl herab. Es stellt sich nicht bei jedem frisch gebackenen Ruheständler ein, wenn, dann ist es jedoch ein wichtiges Signal zum Aufwachen. ‚Leere‘ ist nicht leer, sie verdeckt Verborgenes wie eine Nebelwand. Wer diese ‚Aufforderung zum Suchen‘ nicht begreift, schwebt in der Gefahr, sich zurück zu ziehen, seine Zeit mit Routinen zufüllen, heimlich Bitterkeit aufzubauen - und die ungeheuren Erlebnispotentialein der neuen Phase ungenutzt zu lassen. Mehr oder weniger wird die Zeit mit Warten verbracht, der Fokus rutscht schnell auf Krankheiten und düstere Themen, die den Menschen um sein Selbstvertrauen bringen und verfrüht in die Phase des Alterns hinein rufen können.

 

Der Umgangmit der neuen Situation hängt also stark davon ab,

 

  • wie lang und durchgehend die Berufstätigkeit war (liegenErfahrungen mit ‚Auszeiten‘ vor?)
  • wie viel Raum der Beruf im Leben eines Menschen eingenommen hat und je weniger daher für andere Lebensthemen zur Verfügung stand
  • wie ermüdet und ‚verbraucht‘ sich ein Mensch nach langer Berufstätigkeit fühlt, wie seine gesundheitliche Situation aussieht
  • wie stark sich ein Mensch mit seinem Beruf identifiziert hat (z.B. alte Familien-Tradition, Beruf als Berufung, selbst aufgebauter Betrieb)
  • wie zufrieden ein Mensch mit der erreichten ‚Karriere‘ und der finanziellen Ausgangslage für den Ruhestand ist
  • ob der Ruhestand herbei gesehnt oder erzwungen wurde (z.B. durch Dauerarbeitslosigkeit, Krankheit, ‚Outsourcen‘) und ob noch ein verdeckter Konflikt mit dem letzten Arbeitgeber schwelt
  • ob ein wertschätzender Abschied möglich war oder sein wird
  • wie fokussiert die sozialen Kontakte eines Menschen im Berufsfeld lagen bzw. wie viele von ihnen nun verloren sind
  • wie offen und kompromissbereit sich (Ehe-)Partner mit der veränderten Situation auseinandersetzen, wie experimentierfreudig ein neues gegenseitiges Entdecken und Tun ausprobiert werden
  • wie viel soziale Unterstützung und gute Vorbilder aus dem Freundes- und Kollegenkreis, über Veranstaltungen, Literatur etc. kommen
  • ob bereits alternative Beschäftigungen wie Hobbies oder soziales Engagement bestehen
  • wie gerne sich ein Mensch mit neuer Selbstentdeckung beschäftigt
  • wie aufgeschlossen ein Mensch für völlig neue Denk- und Lebensweisen ist

 

All dies bekommt eine andere Färbung, wenn die Herausforderungen als Chancen erkannt werden, die nun ohne Terminkalender Zeit bekommen: Das erste Mal seit Jahrzehnten der Fremdbestimmung gehört der Mensch sich selbst. Er kann noch einmal ‚neu anfangen‘, sozusagen in die Jugend zurück kehren und den eigenen ‚inneren Jugendlichen‘ mit seinen Träumen dort abholen. Die Überzeugung, dass man für vieles ‚zu alt‘ sei, ist als erster Hemmschuh über Bord zu werfen. Weiterer Ballast kann folgen: Das liegt mir nicht, das habe ich noch nie versucht, was denken die anderen, ich mache mich doch nicht lächerlich oder es gibt keine guten Bedingungen dafür. Der Ruhestand ist eine neue Wahlmöglichkeit in die Weite, Tiefe und Vielfalt des Lebens hinein und rückblickend sagen viele, es sei ihre schönste Zeit geworden.

 

Neugier undKreativität, die jedem Menschen innewohnen, wollen aber erst wieder aktiviert werden, wenn sie der Routine und einer engen Berufsrolle zum Opfer fielen. Das Zeitgefühl ändert sich massiv über die nächsten Monate. Wo früher Freizeit lockte ist jetzt ‚nur noch Zeit‘ – eine Einladung zur tiefen, ehrlichen Selbsterkundung, die auch bedrohlich wirken kann. Die Partnerschaft muss sich erneuern, denn die routinierten Muster funktionieren nicht mehr und neue Zuständigkeiten und Räume für Entfaltung und Miteinander sind abzustecken. Und manchmal ist die eingeschlafene Liebe wieder zu beleben, damit diese Phase erfüllend für beide werden kann. Ehepartner waren oft ‚funktionalisiert‘ als Berater, Helfer, Verantwortungsträger oder sogar ‚Blitzableiter‘. Frei von solchen Funktion kann auch ein neues Entdecken des anderen ‚von Mensch zu Mensch‘ wie ein leises Wunder geschehen.

 

Jede Lebensphase hat ihre eigenen Aufgaben. Zum Ruhestand gehören Klugheit und Weisheit, das Erkennen des Wesentlichen und das Ruhen in sich selbst. Stille und Natur sind nicht nur heilsam, sondern auch anregend. Denn das ewig arbeitende Denken kommt zum Stillstand und aus den Tiefen des Unterbewusstseins können sich Erkenntnisse ins Bewusstsein befreien, die das Leben und die Welt aus der ‚Vogelperspektive‘ betrachten. Und plötzlich wird wichtig, was vorher ungesehen war, die ‚leisen Töne‘, der Genuss mit allen Sinnen, Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und anderen. Menschen werden aber nicht nur für sich selbst klüger, auch als Vorbilder für andere. In hektischen Zeiten sorgen sie für Gelassenheit, mit ihrer erprobten Krisenfestigkeit für Zuversicht und vorausschauende Entscheidungen. Viele finden neuen Lebenssinn in sozialem Engagement, in Kunst, Handwerk und Lesen, in neuem Lernen, im langsamen Reisen oder der Entdeckung des ‚Abenteuers‘ Spiritualität.

 

Bis zum Altwerden ist noch viel zu tun, auch noch einmal jung zu werden und innere Leichtigkeit zu leben. 

 

 

 

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin

bei

Seminare und Coaching Rhein-Sieg

 


Kontakt:

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