Aktuelle Texte

 * Ein ziemlich sicheres

   Kochrezept für BURN OUT

* Loslassen lernen

* Die Botschaft im  

   Verbundensein

* Auszeit - Lass' die Seele   

   wieder atmen!

* Vom Beruf in den Ruhestand

* Single-Leben gestalten

* Therapeutische Zeremonien

* Langzeitreisen -Testlauf für 

   Auswanderer 

* Faith und Justin: eine  

  Auswanderergeschichte

  (Interview) in Neuseeland

 

 


Informationen oder Hilfe im Bereich der Psychotherapie finden Sie unter www.uhlenbrock-psychotherapie.de





Die Kraft therapeutischer Zeremonien

 

 

In meinen Seminare und je nach Thema und Situation auch im Coaching setze ich als zusätzliche Methode 'therapeutische Zeremonien' ein, von klein bis groß, von einfach bis aufwändig, aber immer individuell gestaltet. Sie sind ein wunderbares Instrument, um einen psychischen Prozess wirksam voran zu bringen und "vom Kopf in den Bauch zu kommen". Als therapeutische Strategie sind sie zwar sehr geläufig, doch selten werden sie explizit beschrieben. 

 

Sollen Veränderungen wirklich greifen, muss sie auch das Unterbewusste erreichen und dort neue ‚Anker‘ setzen. Kaum eine Strategie ist so wirksam in kurzer Zeit wie eine gut platzierte und vorbereitete ‚therapeutische Zeremonie‘. Im Unterschied zu öffentlichen Zeremonien liegen Ziele und Gestaltung in eigener Hand und sind höchst persönlich. Allerdings brauchen auch sie eine Zeit der Besinnung und Vorarbeit, innere Sammlung und ein besonderes ‚setting‘, um mittels symbolischer Handlungen wirksame emotionale Zäsuren zwischen einem 'vorher‘ und einem ‚nachher‘ zu setzten. Drei Phasen – drei Aufgaben – keine ist verzichtbar. Emotionen kennen keine ‚Alterung‘. So können selbst lang zurück liegende Ereignisse mit Zeremonien zum Frieden gebracht und Zukunftsvisionen in das Heute geholt werden.  

 

Der Text beinhaltet folgende Aspekte:

 

- geläufige Formen und Funktionen von Zeremonien und Ritualen im Leben

- Abgrenzung der 'therapeutischen Zeremonie' zu religiösen/spirituellen Ritualen

- Was genau passiert bei einer therapeutischen Zeremonie in der Psyche?

- Zu Strategie, Abläufen und Bestandteilen

- Wo sind therapeutischen Zeremonien sinnvoll einsetzbar ?

- Einzelzeremonie oder in der Gruppe?

 

Weiterlesen?                                  

-----------------------------------------------------------

 

Zeremonien und Rituale begleiten unser Leben

Wir alle kennen Zeremonien und Rituale in vielfacher Form, auch wenn sie uns gar nicht als solche bewusst sein. Sie sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags und haben dort eine Funktion. Erst wenn sie unterbleiben, bemerken wir, dass etwas fehlt (Was wäre wenn Weihnachten ausfiele?). Als lebendiger und berührender Vorgang haben sie einen eigenen Zauber, der uns jenseits von Denken und Wissen tief innen berührt. So sind uns Zeremonien und Rituale vertraut

 

  •        im Alltag als regelmäßige Jahresfeste wie Geburtstage und Gedenktage, aber auch als Aufnahme- und Entlassungszeremonie in der Schule, zur Hochzeit, zur Geschäftsgründung und beim Hausbau, selbst als Begrüßungsgeste oder als tägliches Morgen- und Einschlafritual. Viele Veranstaltungen (Karneval, Seminare, Betriebsfeiern) nutzen Zeremonien, um Menschen näher zusammen zu bringen oder in eine andere Stimmung zu versetzen.

 

  •        im religiösen Rahmen als sonntägliche Messe oder als kirchliches Jahresfest, zu einer besonderen Weihung und Segnung, zur inneren Reinigung und Erneuerung, zur Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft oder beim Abschied eines geliebten Menschen

Wie vielfältig und verbreitet sie sind, beschreibt Lukas Niederberger in seinem Buch „Rituale – Was uns Halt gibt“:

 

„Rituale intendieren und erzeugen eine breite Palette von Wirkungen. Für Kulturwissenschaftler bilden Rituale den Kitt der Gesellschaft. Hirnforscher halten sie für Ordnungsstifter und Ethnologen unterscheiden Rituale nach vielen Funktionen: Fruchtbarkeits-, Schutz-, Abwehr-, Vergöttlichungs-, Opfer-, Versöhnungs-, Bindungs-, Tausch-, Gedenk-, Buß-, Sühne-, Wiedergutmachungs-, Abschreckungs-, Initiations-, Ernennungs-, Aufnahme-, Übergangs-, Ehrungs-, Begegnungs-, Begrüßungs-, Abschieds-, Trennungs-, Heilungs-, Beschwörungs-, Dank-, Trauer-, Versammlungs-, Reife-, Macht-, Unterdrückungs-, Gewalt-, Verzichts-, Prüfungs- und Reinigungsrituale. Je nach Situation und Kontext sind die Funktionen von Ritualen mehr sozio-kultureller, psychisch-emotionaler oder auch ausdrücklich religiös-spiritueller Natur.“  (Freiburg i.Br.: Herder, 2012, S. 55)

 

Abgrenzung der 'therapeutischen Zeremonie' zu religiösen / spirituellen Praktiken:

 

Rituale und Zeremonien werden als Begriffe meist synonym gebraucht. Beide haben tatsächlich vieles gemeinsam. Sie benötigen eine gewisse feierliche Stimmung und einen Moment des Innehaltens im Alltag, der inneren Zentrierung. Häufig werden bestimmte Requisiten eingesetzt, z.B. der Geburtstagskuchen, Blumen und Kerzen, Symbole wie ein Schlüssel, ein Ring oder bestimmte Kleidungsstücke wie das Hochzeitskleid. Abläufe sind häufig vorgeplant, sozusagen als ‚Protokoll‘, nach dem einzelne Handlungen und Gesten vollzogen werden. In Filmen und in den Erinnerungen von Familien sind dies besondere Momente, bei denen Tränen rollen und manche Versöhnung mit dem anderen Menschen oder dem eigenen Leben möglich wird.

 

Es gibt jedoch einen Unterschied und der liegt in ihrer Wiederholung: Rituale sind eher gleich bleibende oder wiederkehrende Vorgänge, die sich durch ein Menschenleben ziehen können, ja die sogar ein ganzes Volk in ähnlicher Weise vollzieht wie z. B. Weihnachten. Als religiöse Handlung oder bei einem ‚Heilungszweck‘ erhöhen Rituale mit jeder Durchführung ihre Wirkung (wie Menschen wissen, die viel meditieren oder beten). Rituale stabilisieren und harmonisieren die Psyche und die menschliche Gemeinschaft, sie vermitteln Wertschätzung und geben dem Leben regelmäßige Lichtpunkte durch Freude, Besinnung oder besonderen Genuss (z. B. das Festtagsessen). Sie zeigen uns, dass es bei aller Veränderung doch Verlässliches in unserem Leben gibt und beruhigen in turbulenten Zeiten wie das persönliche abendliche Einschlafritual.

 

Zeremonien dagegen sind einmalige Ereignisse, die zu einem besonderen Anlass vollzogen werden, der oft eine hohe individuelle Bedeutung hat (wie bei einem Abschied und einem Neubeginn). Weit mehr als bei einem öffentlichen Ereignis wird in einer privaten Zeremonie ein tief bewegender innerer Prozess vollzogen, der uns für diesen Moment in den Mittelpunkt stellt, häufig zu Beginn oder zum Ende einer Lebensphase oder bei einem besonderen Ereignis.

 

Therapeutische Zeremonien sind eine Sonderform der Zeremonie mit zusätzlich einer psychologischen Absicht. Sie sollen eine innere Veränderung ermöglichen, die sonst nicht oder nicht wirksam erreicht werden würde (darauf komme ich gleich zurück). Und sie brauchen dazu eine spezielle Vorbereitung und einen Rahmen, in dem ein Mensch sich einerseits geschützt fühlt und andererseits herausgefordert wird.

In Abgrenzung zu religiösen oder spirituellen Zeremonien und Riten ist ein transzendenter Aspekt zwar möglich, jedoch für ihre Wirksamkeit nicht notwendig. Niemand muss 'gläubig' sein, damit sie wirken. Die Veränderungen sollen als neue ‚Eindrücke‘ im Unterbewusstsein installiert und verankert werden, denn von dort aus steuern sie unterbewusst zukünftige Motivation, Glaubenssätze über sich selbst und sein Leben und demnach auch zukünftige Handlungsweisen. Für ihre Durchführung muss man also nicht ‚gläubig‘ sein.

 

Eine Reihe von Psychotherapieschulen haben Zeremonien als wirksame Methode im Programm (auch wenn dies nicht explizit so benannt wird) - von der einzelnen Geste in Familien- und Systemaufstellungen bis zur kompakten Handlung mit intensiver Vorbereitung z. B. zum Zelebrieren eines Abschieds. Humanistische Schulen wie Psychodrama, Gestalttherapie, Logotherapie haben erkannt, dass in Zeremonien etwas Spezielles passiert: Eine magische innere Grenze wird überschritten, die etwas zurück lässt, dass überwunden werden soll oder zu verabschieden ist, und den Menschen in eine neue Denkweise, Identität oder Lebensphase hinein katapultiert. Bei großen Lebensveränderungen schaffen sie oft in kurzer Zeit den psychischen ‚Durchbruch‘, der sonst lange dauert oder vielleicht innerlich stecken bleibt, weil das Denken zwar zur "Einsicht" gekommen ist, jedoch die Gefühlswelt nicht mitzieht und Veränderungen im Alltag nicht dauerhaft sind.

 

Was genau passiert in einer therapeutischen Zeremonie in der Psyche?

Zeremonien setzen dort an, wo Angst und innerer Widerstand anstehende Schritte schwer machen oder sogar verhindern. Menschen drehen sich oft durch lange Schleifen der Vermeidung, weil das Bisherige ihnen noch sehr nah ist, sie an etwas 'anhaften' oder sie Scheu vor dem nächsten Schritt haben. Das Leben jedoch geht weiter und so wie wir vom Jugendlichen zum Erwachsenen reifen müssen, sind auch andere Lebensübergänge und Veränderungen unvermeidlich. Selbst wenn ein positives Ereignis bevorsteht (wie eine Hochzeit), geht sie dennoch mit Abschiedsgefühlen einher, mit Veränderungen in der sozialen Rolle, im  Selbstverständnis und in der Alltagsbewältigung. Ungeklärte Themen aus der Vergangenheit können hier fatal sein und sollten deshalb vorher abgeschlossen werden. Eine gewisse innere Erwartungsspannung gehört zum Neuen immer dazu: Werde ich dem gewachsen sein? Wird es gut für mich sein? Hier schafft eine therapeutische Zeremonie innere Bereitschaft, setzt Zuversicht und Energie frei. Werden solche Übergänge mit Klärung, Abschied und Neubeginn nicht vollzogen, bleiben Menschen oft in Lähmung stecken, in chronischer Trauer um das "Verlorene", in Selbstzweifeln oder Groll, gehen in sozialen Rückzug oder in Ablenkungsmanöver wie Fernsehen, Aktionismus, Suchtmittel oder Tagträume. Ein aufgeschobenes Thema ist aber nicht gelöst, sondern wird schon deshalb bedrohlicher, weil es den freien Lebensfluss behindert. Neues kann nicht eintreten, wenn Vergangenes nicht Platz macht.

 

Hinter diesem Widerstand stecken psychische Mechanismen, die ich gerne ‚die Wächter des inneren Gleichgewichts‘ nenne (ähnlich den psychoanalytischen Abwehrmechanismen nach Siegmund Freud, aber inhaltlich weiter gefasst und mit größerem Handlungsspielraum ausgestattet). Ihre Aufgabe ist es, uns vor Überforderung und Gefahren zu schützen, wenn eine Lebensveränderung großen Aufwand, Schmerz oder unbekannte Herausforderungen mit Risiken mit sich bringen. Oft wollen wir auch nicht an ein Thema heran gehen, weil damit alte Pakete von Leid oder Frust ins Bewusstsein geholt werden. Denn die Wächter sind eher vermeidungsorientiert und konservativ: Was neu ist wird erst einmal misstrauisch in Frage gestellt oder pauschal abgelehnt. Ihnen sind ihre vertrauten Lebensstrategien lieber und sie sind nicht leicht von den Vorteilen einer Veränderung zu überzeugen. Wer sich noch nichtvorstellen kann, wohin ein neuer Weg geht, der bleibt oft besser da, wo er sich auskennt. „Besser das vertraute Unglück, als das unvertraute Glück“. Menschen mit starkem Sicherheits- und Kontrollbedürfnis und einem durch und durch geregelten Alltag hadern oft mit dem ‚Fluss des Lebens‘, der sie zur Veränderung aufruft, und bleiben dann manchmal in ‚unfertigen‘ inneren Veränderungen stecken. Auch viel Intellektualisieren, Grübeln und Theoretisieren können einen emotionalen Lösungsprozess verhindern.  

 

In einer ‚heilsamen Zeremonie‘ kann dann das vollzogen werden, was emotional notwendig ist, aber allein und mit reinem Verstand nicht gelingt. Dies ist z. B. rückwirkend die Klärung und Würdigung des Vergangenen, auch die Trauerarbeit beim Loslassen. Und nach vorne die Ermutigung zu neuen Schritten. In der Mitte einer Zeremonie gibt es einen kurzen magischen Moment ‚an der Grenze‘. Der Blick dreht sich zurück auf das Vergangene, das abgelegt wurde, und dann nach vorn. Mitten zwischen ‚nicht mehr und noch nicht‘ geschieht ein kurzer, aber wichtiger unterbewusster Umbauprozess, eine Neuorientierung. Oft nehmen wir ihn nur als kurzen Moment der ‚Leere‘, des ‚Luftholens‘ oder als ‚Verwirrung‘ wahr, manchmal sinkt auch kurz 'das Herz in die Hose'. Dann folgt ein Atemholen, ein Sichaufraffen und der bewusste Schritt ‚nach vorn‘ in die Zukunft hinein. Therapeutische Zeremonien haben wie die 'große Transformation' (vergleiche dazu die Seite "Philosophie") ebenfalls die 3 typischen Phasen : Das Vorher – den Übergang – das Nachher. Wie beim „Phoenix aus der Asche“ gehört die Phase der Asche dazu. Nur dass dies in einer therapeutischen Strategie in kürzester Zeit geschieht, sozusagen im ‚Zeitraffer‘.

 

Zu Strategie, Abläufen und Bestandteilen

Die scheinbar 'magische Kraft' von Zeremonien liegt darin, dass sie einen komplexen inneren Zusammenhang in symbolischer Form in recht kurzer Zeit vollziehen. Das Unterbewusstsein ‚tickt‘ anders als der bewusste Verstand. Es arbeitet mit Bildern (zu etwa 80%), aber auch mit Gerüchen, Tönen und anderen Sinnesempfindungen. Unsere Erinnerungen sind selten als Worte gespeichert, sondern in komplexen Abfolgen von Szenen. Sie steuern uns unbewusst weit mehr als ‚Ratio‘ und ‚Augenblick‘. Unterbewusste Lebenserfahrung lenkt unsere Wahrnehmung, die unbewusste Bewertung von Ereignissen, daraus folgende Entscheidungen und Handlungen – mitsamt aller dazu gehörender Gefühle. Je intensiver ein Erlebnis war, je häufiger eine Botschaft wiederholt wird oder je bedrohlicher eine Gefahr erscheint (weil z. B.  traumatische Vorerfahrungen vorliegen), desto machtvoller nimmt es Raum ein und verhindert dadurch andere, gesündere Lebensweisen. Manchmal nennen wir es ‚Gewohnheiten‘, aber es steckt mehr Komplexität dahinter als ein einfach nur antrainiertes Verhaltensmuster.

 

Zeremonien nutzen nun den Umstand, dass das jeweils letzte ‚Bild‘ (oder der Sinneseindruck) etwas Vorhergehendes ablösen kann, wenn er eindrücklich genug ist. Durch den Einsatz von Symbolen und symbolischen Handlungen wird eine neue ‚Lösung‘ wie eine Szene in einem Bühnenstück inszeniert, die das bisher gültige Bild nach hinten drängt oder für nicht mehr gültig erklärt. Diese‚Inszenierung‘  ist umso eindrücklicher, je lebhafter die 5 Sinne und die Gefühlswelt eines Menschen angesprochen werden. Da darf und soll auch bei aller Ernsthaftigkeit der Absicht die Phantasie mitspielen. Typische Symbole und symbolische Handlungen können sein, Ringe auszutauschen, Kleidungsstücke abzulegen, Briefe zu verbrennen, Versprechen abzugeben, eine symbolisch angedeutete Grenze zu überschreiten.

Symbole und symbolische Handlungen arbeiten also als Stellvertreter, wodurch eine Zeremonie auch dann wirksam ist, wenn im tatsächlichen Außen noch alles beim Alten ist. Denn sie setzen neue innere Bilder an die Stelle der Alten, sozusagen einen neuen ‚inneren Anker‘. Eine neue innere ‚Realität‘ ist entstanden und die unterbewusste Psyche weiß: „Das ist jetzt gültig, nun muss ich die Diskrepanz zwischen Innen und Außen aber noch aufheben, indem ich das Außen entsprechend verändere“. Das geschieht jenseits des bewussten Verstandes, der sich dann nur manchmal wundert, warum etwas ‚anders‘ läuft. Ein Beispiel wäre die Verabschiedung eines Berufstätigen in den Ruhestand. Das Unterbewusstsein ‚fühlt‘ nach vollzogener Zeremonie bereits den Ruheständler in sich, so dass der emotionale Abschied aus der Berufsrolle, die nun nicht mehr stimmig ist,  auf leise Weise forciert wird.

Zeremonien fordern also einen inneren Prozess heraus, schützen aber gleichzeitig vor unnötiger Schwere und Überforderung. Sie begrenzen die Zeit des emotionalen Höhepunktes auf einen kurzen Akt, schleusen Emotionen durch einen bestimmten Kanal - und ermöglichen damit kurzzeitig eine hohe Intensität. So wie ein Fluss an der engsten Stelle einer Schlucht die größte Kraft entwickelt, während er vorher und nachher ruhig dahin fließen kann. Diese kurzzeitige Intensität macht es möglich, etwas bisher ‚Unmögliches‘ zu vollziehen und durch eine Engstelle hindurch zur Befreiung zu gelangen. Wichtig ist jedoch immer, nicht wahllos vorzugehen, ‚Hauptsache anders‘ gefällt der Psyche gar nicht. Vor der Zeremonie sollten Absicht, die Bestandteile des Ablaufs und Erfolgskriterien festliegen, damit sich die sicherheitsliebenden ‚inneren Wächter‘ darauf einstellen können. Wenn sie wissen, was und warum etwas zu tun ist, bleiben sie zwar wachsam (die Erwartungsspannung), aber sie erlauben, Bisheriges loszulassen, denn Neues wartet schon. Deshalb benötigen therapeutische Zeremonien für ihre Wirksamkeit eine gute Vorbereitung: sowohl bezüglich der Absicht und Bedeutung des anstehenden Schrittes wie der gesamten Inszenierung und dem gewünschten Zielzustand. Die Vorbereitung kann Stunden, Tage oder gar Wochen dauern, die Durchführung der Zeremonie dagegen oft weit weniger als eine Stunde, die 'Engstelle' manchmal nur Minuten.

 

Ein Beispiel mag das erläutern: Die Initiation von Jugendlichen in die Erwachsenenwelt wird in vielen Naturvölkern noch heute mit einer großen Feier vollzogen: Haare werden abgeschnitten, Tattoos angebracht, Kleidung wird gewechselt, sogar der Name ändert sich und sie ziehen aus dem Haus der Eltern in das vorrübergehende "Haus der Jugendlichen". Häufig werden sie umfangreich vorbereitet in einer 'Lebensschule', geführt von Älteren, und müssen eine Bewährungsprobe bestehen. Wir kennen dies von Geistlichen, die mit ihrer Weihung oder dem Eintritt in einen Orden durch einen ähnlichen Prozess gehen. Für den Schritt über eine imaginäre Grenze in einer therapeutischen Zeremonie müssen wir allerdings keine Haare abschneiden oder die Wohnung wechseln, wir können z. B. alte Kleidung ablegen und ein auf dem Boden liegendes Seil überschreiten.

 

Die langfristige Wirkung kann weit stärker sein als der Akt selbst vermuten ließe. Immer bedeutet er, sich für das eigene Leben neu zu entscheiden und die uns innewohnende Lebendigkeit wieder frei zu lassen. Nach dem Kundtun der Entscheidung und dem ‚magischen Schritt über die Grenze‘ stellt sich meist tiefe Erleichterung ein: Es ist vollbracht! Diese Leichtigkeit wird nun gefeiert – der würdige Abschluss eines mutigen Schrittes. In der Folgezeit ist es wichtig, die neue innere Situation immer wieder bewusst wahrzunehmen, damit die Psyche darin ‚Wurzeln schlagen‘ kann und neue Ideen für den frei gewordenen Raum entstehen.

Es ist also dieses  Zusammenkommen verschiedener Faktoren, das eine Zeremonie wirksam werden lässt:

 

·       eine feste Verabredung für einen geeigneten Zeitpunkt und besonderen Ort

·       die Vorbereitung auf den wichtigen Schritt durch emotionale und praktische

        Beschäftigung mit der Absicht (Abschiedsbriefe schreiben, Symbole

        finden ...) 

·       eine festliche Stimmung (oft ausgedrückt in besonderer Kleidung)

        innere Konzentration und Stille während der Zeremonie (eingeleitet z. B.

        durch einen Gongschlag)

·       Zeit ohne Ablenkung für das bewusste Empfinden der inneren Vorgänge

        (Trauer und Dankbarkeit, die Übergangsphase von leichter Leere und 

        Verwirrung, danach Erleichterung und Freude)

·       das bewusste Loslassen von Symbolen, die an Vergangenes binden (oft mit

        Hilfe der vier Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft: etwas wird einem Fluss

        gegeben, verbrannt, begraben oder fliegt davon)

·       symbolisches Verändern der eigenen Identität (Ablegen von Kleidung,

        Name, Gewohnheiten)

·       symbolisches Überschreiten einer Grenze, von der es kein Zurück gibt

·       das Einladen von Neuem durch weitere Symbole (z. B. Kleidung, Frisur,

        Glücksbringer, ein Spruch)

·       ein Fest, um das Neue zu begrüßen (und dies vor anderen kund zu tun)

·       in der nächsten Zeit kleine regelmäßige Übungen als ‚Erinnerung‘, die

        das Erlangte festigen

 

 

Wo sind psychotherapeutische Zeremoniensinnvoll einsetzbar?

Zeremonien sind grundsätzlich in allen Phasen einer Lebensveränderung und für alle Menschen einsetzbar. Das gilt auch für Kinder, die viele spielerische Elemente und ‚magischen Zauber‘ mögen. Natürlich kann jemand mit einer Zeremonie auch seinen Sommerurlaub einläuten, aber grundsätzlich wird sie mit einem drängenden Anliegen und hoher emotionaler ‚Ladung‘ wirksamer. Leidensdruck erhöht die Bereitschaft sich einzulassen, fördert die innere Zentrierung und den Mut.

 

  • Am Beginn einer Lebensveränderung können sie den Startschuss geben, Themen und Gefühle aktiv ins Bewusstsein rufen und Motivation erzeugen.
  • Sie schaffen innere Klarheit darüber, was aufzuräumen oder zu verabschieden ist (eine Lebensphase, ein unerfüllt gebliebener Traum, eine beendete Beziehung, ein Aspekt der eigenen Identität, hemmende Glaubenssätze oder die Folgen eines unguten Verhaltensmusters).
  • Im Verlauf eines längeren Prozesses der Veränderung, besonders in Phasen von Stillstand, Ermüdung oder Unsicherheit, machen sie Mut, lösen innere  oder äußere Blockaden und führen zu Entscheidungen.
  •  Am Beginn einer neuen Lebensphase begrüßen sie eine neue Vision, fördern Überzeugung und aktivieren Energie und Ressourcen zur ihrer Verwirklichung
  •  Als Rückblick auf Erlebtes und Erreichtes drücken sie Dankbarkeit und Wertschätzung aus, stabilisieren sie Erreichtes oder Vollziehen eine Weihung.
  •  Auch rückwirkend können sie etwas klären, in Frieden bringen und verabschieden, das bereits gegangen ist (z.B. bei vorgezogenem Ruhestand ohne Abschiedsfeier). Selbst lang zurückliegende Ereignisse lassen sich so noch einmal würdevoll achten und von Schmerz befreien.

 

 

Jeder für sich oder gemeinsam in einer Gruppe?

Beides hat seine Vorzüge. Als Einzelperson liegen die Wahl von Ort, Zeitpunkt und Art der Durchführung in der eigenen Hand. Vielen Menschen fällt es auch leichter, heftige Gefühle und andere intime Dinge zuzulassen, wenn niemand sonst zugegen ist. Andererseits hat ein Erleben in der Gruppe die Vorzüge gebündelter Energie und Motivation, sozusagen einen Synergie-Effekt: 1 + 1 = 3. Gruppen verhindern das heimliche Vermeiden, unterstützen bei der Vorbereitung, sorgen für gemeinsame Konzentration und helfen, wenn der eigene Mut nachlässt. Freude und Schmerz werden geteilt, die Energie lädt sich auf und führt zu einer lockeren Stimmung und Vertrautheit miteinander. Solche Gruppen sind wahrlich ‚anders‘ als trockene Fortbildungs-Seminare und oft sogar intimer als manche Verwandtschaftstreffen. 

Besonders die Erkenntnis, nicht allein dazustehen mit einem Problem, bedeutet für viele Menschen bereits einen Trost. Das gegenseitige ‚Spiegeln‘ unter Gleichgesinnten stimmt sie hoffnungsvoll, jeder kann dem anderen Vorbild sein und mit seinen Ideen zu Lösungen beitragen. Gute Gruppen haben immer ihr ganz eigenes ‚Gesicht‘ und erschaffen eine Atmosphäre, in der sich jeder mit seiner Individualität geschätzt fühlt. Die Seminarleitung sorgt für den äußeren Rahmen, steuert Abläufe, gibt Anregungen und erlaubt so jedem Teilnehmer, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren.


Wichtig zu wissen ist auch, dass wir emotional nicht schnell ‚aus dem Ruder laufen‘. Unsere Psyche hat eingebaute unbewusste Mechanismen, die bei ‚zu viel Gefühl‘ den Energiehahn zudrehen, um uns vor Überforderung zu schützen. Wir empfinden dann oft so etwas wie plötzliche Erleichterung, manchmal auch ‚Nebel im Kopf‘, so als hätten wir den ‚Faden verloren‘. Gruppenteilnehmer spüren auch intuitiv, wie viel Persönliches sie einbringen können, ohne sich verletzbar zu fühlen. Geschieht dennoch eine langsame Öffnung, dann wird das individuell Erlebte zum gemeinsam Vollbrachten.

 

 

 

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin 

 

Kontakt:

Tel.:     02241 84 48 222

Mobil:  0157 39 12 18 30

Email:

info@petra-uhlenbrock.de


Über das Mobil-Telefon erreichen Sie mich schnell und oft auch direkt. Ich rufe gern zurück, wenn Sie eine Nachricht hinterlassen. Vielen Dank.


Fliersbachstrasse 7

53842 Troisdorf - Spich


Der Ortsteil Spich ist über die A59 (3 km) oder über die Bundesstraße 8 gut zu erreichen. Mehrere Bushaltestellen und die S-Bahn liegen fußläufig an oder in der Nähe der Hauptstraße von Spich, Parkplätze finden Sie direkt vor dem Haus auf dem "Spicher Platz".



Fühlen Sie sich herzlich eingeladen, für ein erstes Klärungsgespräch Kontakt aufzunehmen!